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Press Review



Following you find teasers and selected full articles of the media coverage regarding the European Confernence on Colon Cancer Prevention 2007:

 

13.07.2007, Der Gastroenterologe: Früherkennung und Vorsorge als Thema der Public Health Forschung

von Berndt Birkner

Die Evaluation der Darmkrebsfrüherkennungsprogramme ist eine Aufgabe der Public Health Forschung. Anders als in anderen europäischen Ländern, wo Public Health ein integrativer Bestandteil der medizinischen Fakultät ist, wurde der Public Health Forschung in Deutschland bisher wenig Bedeutung beigemessen. Die Europäische Konferenz zur Darmkrebsprävention in Brüssel widmete das Nachmittagsprogramm verschiedenen Public Health-Ansätzen, die im folgenden Beitrag in verkürzter Form wiedergegeben werde sollen.

Akzeptanzfaktoren in Deutschland
Monika Sieverding stellte Ergebnisse einer Studie der Universität Heidelberg vor, in der die Akzeptanz verschiedener Darmkrebsfrüherkennungsverfahren mit Hilfe der Befragung von 18.000 Personen mittels Fragebogen festgestellt wurde. Hauptergebnisse:  
-   Mehr Frauen als Männer nehmen die Darmkrebsfrüherkennungsuntersuchung in Anspruch.
-   Auch wenn der FOBT in Deutschland mit Einführung der neuen Krebsfrüherkennungrichtlinie zahlenmäßig stark zurückgegangen ist,  bleibt er dennoch die bevorzugte Früherkennungsmaßnahme und diejenige mit der höchsten Akzeptanz. .
-  Nachgerade erschreckend ist, dass mehr als ein Viertel der Befragten bisher überhaupt noch keine Darmkrebsfrüherkennung in Anspruch genommen hat.
-  Diejenigen, die ein stärker ausgebildetes Gesundheitsbewusstsein haben und beispielsweise an Gesundheits-Check-ups teilnahmen, nahmen auch eher an  Darmkrebsfrüherkennung teil.
-  Eine große Rolle für die Akzeptanz von Darmkrebsfrüherkennung spielen auch die persönliche Betroffenheit (Darmkrebs in der Familie oder im Freundeskreis) und die kompetente, motivierende Beratung durch den Arzt.

Kosten-Nutzen-Analysen verschiedener Methoden
Kosten-Nutzen-Aspekte spielen in populationsbasierten Vorsorgeprogrammen eine wichtige Rolle. Ernst Kuipers von der Erasmus Universität in Rotterdam verglich die Kosten für die Behandlung kolorektaler Karzinome, wie sie bis in die 90er Jahre üblich war, mit den Kosten der heutigen multimodalen Behandlungsmethoden und stellte sie den Kosten für bevölkerungsbasiertes Screening gegenüber. Bis weit in die 90er Jahre bestand die palliative Therapie bei fortgeschrittenen Darmkrebserkrankungen aus der Anlage eines Kolostomas. Heute werden auch in diesem Bereich hochpotente Biologica eingesetzt mit der Folge, dass die Kosten für die Palliativbehandlung um das Dreißigfache angestiegen sind. Für die endoskopische Darmkrebsfrüherkennung ergibt sich eine relativ günstige Kosten-Nutzen-Relation. Mit Kosten zwischen 7.000$ und 20.000$ für ein gewonnenes Lebensjahr bleiben die Kosten weit unter der für die Effizienz von Vorsorgemaßnahmen geforderten Grenze von 50.000$. Auch verglichen mit der Kosten-Nutzen-Relation von Sigmoidoskopie und immunologischem Stuhltest ist die Vorsorgekoloskopie vom Kosten-Nutzen-Verhältnis her günstig. Anders sieht es hingegen mit der virtuellen Koloskopie aus. Da jeder Verdachtsfall automatisch die Abklärung durch eine optische Koloskopie nach sich zieht, müssten die Kosten 50% unter den Koloskopiekosten und die Teilnahmeraten um 20% höher liegen,  um sie vom Kosten-Nutzen-Verhältnis her konkurrenzfähig zu machen.

Akzeptanzsteigerung durch Einladungsverfahren
Die Wirksamkeit der Darmkrebsfrüherkennungsmaßnahme hängt entscheidend von den Teilnahmeraten ab. Robert Steele von der schottischen Universität Dundee zeigte in seinem Vortrag eindrucksvoll, dass das Verfahren der direkten Einladung der Zielgruppen die Teilnahmeraten signifikant erhöht. In den zwei Testregionen in England und Schottland betrugen die Teilnahmeraten in der ersten Runde ca. 50 % und in der zweiten Runde ca. 30%. Dabei wurde deutlich, dass die Raten bei ungünstigen sozio-ökonomischen Bedingungen signifikant niedriger sind und dass hier über spezielle Ansprachen nachgedacht werden muss.  Die Ergebnisse der beiden Vergleichstudien bilden die Grundlage für die Entscheidung der britischen Regierung, ob flächendeckendes Screening mittels FOBT eingeführt werden soll.

Die Rolle der Medien und der Netzwerke
Wie wichtig die Durchführung von Öffentlichkeitskampagnen bei dem stark tabuisierten Thema Darmkrebsprävention ist,  machte der Vortrag der Präsidentin der Felix Burda Stiftung  Christa Maar deutlich. Über Medien werden nicht nur weitaus mehr Menschen erreicht als über die Wege des Gesundheitssystems, sie bieten darüber hinaus auch die Möglichkeit der emotionalen Ansprache. Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Öffentlichkeitskampagne  ist die Formulierung klarer und einfach nachzuvollziehender Botschaften. Der Einsatz prominenter Zeitgenossen, die in Anzeigen und Fernsehspots für Früherkennung werben, kann ein starker Hebel sein, um die Öffentlichkeit aufzuklären und zur Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen zu motivieren. Die zweite Schiene, auf der die Arbeit der Felix Burda Stiftung aufsetzt, ist das potente Netzwerk aus Vertretern der Wissenschaft, Gesundheitspolitik, Krankenkassen, Unternehmen, Fachgesellschaften und Medien, mit dem zusammen jedes Jahr im März der nationale Darmkrebsmonat veranstaltet wird. Der Aktionsmonat wird von vielen zum Anlass für lokale Aktionen und Informationsveranstaltungen genommen. Die Felix Burda Stiftung schaltet in diesem Zeitraum Anzeigen sowie Hörfunk- und Fernsehspots mit Prominenten und führt mit ihren Partnern große Pressekonferenzen durch. Das Medienecho auf den Darmkrebsmonat ist enorm. Das deutsche Darmkrebsfrüherkennungsprogramm, das gegenwärtig nicht durch ein Einladungsverfahren unterstützt wird, wäre ohne die umfangreiche mediale Unterstützung sehr viel weniger erfolgreich.

Darmkrebsfrüherkennung bei Hochrisikogruppen
In den Niederlanden besteht seit mehr als 20 Jahren ein beispielhaftes Register für die Hochrisikogruppen mit erblichem und familiärem Darmkrebs. Die von Hans Vasen von der  Universität Leiden vorgestellten Daten des seit 1985 von der holländischen Regierung finanzierten Registers machen deutlich, dass die Durchführung risikoadaptierter Früherkennungsmaßnahmen bei Angehörigen von Hochrisikogruppen zu einer deutlichen Reduktion der Mortalität führt. Die Tatsache, dass die Hochrisikogruppe mit 20 bis 25 % aller Darmkrebserkrankungen relativ groß ist und das Lebenszeitrisiko für die Entwicklung eines Darmkarzinoms im Schnitt bei 20 % (Normalbevölkerung: 5-6 %) liegt und bei Mitgliedern von  erblich belasteten Familien sogar bei bis auf 50 % steigen kann, ist ein starkes Argument für die Einführung spezieller Früherkennungsmaßnahmen für diese Gruppe. Aufgrund der holländischen epidemiologischen Daten kann man davon ausgehen, dass die Hochrisikogruppe für Darmkrebs in den großen EU-Ländern UK, Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland insgesamt mehr als 2 Millionen umfasst. Für Deutschland muss man von mehr als 600.000 familiär belasteten Personen ausgehen. In einer polnischen Studie konnte gezeigt werden, dass eine positive Familiengeschichte ein prädiktiver Faktor für das Vorhandensein von Adenomen ist und dass die Zahl der Personen, die gescreent werden müssen, um ein fortgeschrittenes Adenom zu entdecken, in belasteten Familien nur die Hälfte gegenüber der Normalbevölkerung beträgt.  Risikoadaptierts Screening von Hochrisikopersonen kann die Effektivität von Darmkrebs Screening Programmen signifikant erhöhen. Doch leider legen die Ärzte gegenwärtig wenig Wert auf die Erstellung von Familienanamnesen, die die effektivste Methode zur Identifikation von Hochrisikopersonen ist. 

Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der Darmkrebsfrüherkennung
Bernhard Gibis und Berndt Birkner hoben in ihren Vorträgen die enorme Bedeutung der  etablierten Qualitätssicherung und des funktionierenden Qualitätsmanagements für die Darmkrebsfrüherkennung hervor. Die in den USA durch medizinische Fachgesellschaften eingeführten Qualitätsindikatoren für die Durchführung der Koloskopie und die Auswertung von Stuhltestes sind ein erster wichtiger Schritt zu mehr Transparenz und Vergleichbarkeit.  In Europa muss nun ebenfalls ein einheitlicher Indikatorensatz geschaffen werden, um die Qualität von Früherkennungsmaßnahmen sicherzustellen. Sie betrifft insbesondere die Effektivität und Effizienz der Früherkennungsmaßnahme sowie die Sicherheit der Untersuchten vor unerwünschten oder gar tödlichen Nebenwirkungen. In Verbindung mit der Vorsorgekoloskopie wurde in Deutschland ein Qualitätssicherungsprogramm eingeführt.  Mit der internetbasierten Dokumentation qualitätsbezogener Daten wurde es möglich, ein aktuelles Bild der Nebenwirkungen, Komplikationen und Wirksamkeit der Koloskopie zu erhalten. An die  persönliche Qualifikation der Untersucher wie an die Gerätedesinfektion werden hohe Anforderungen gestellt. Letztere wird durch regelmäßige, verpflichtende Hygienekontrollen gewährleistet. Die ausgewerteten Daten der Vorsorgekoloskopie zeigen eine hohe Sicherheit und Effektivität dieser Maßnahme. Der Rückgang der Darmkrebssterblichkeit in Deutschland ist zumindest zum Teil auf die Einführung der Vorsorgekoloskopie und die damit verbundene Qualitätssicherung zurückzuführen.


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