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Press Review



Following you find teasers and selected full articles of the media coverage regarding the European Confernence on Colon Cancer Prevention 2007:

 

13.07.2007, Der Gastroenterologe: Darmkrebsscreening in Europa - Eine Zustandsanalyse in 40 europäischen Ländern

von Meinhard Classen
 mit Unterstützung von René Lambert


Krebs des Dickdarms und des Rektums ist der zweithäufigste bösartige Tumor in Europa und ist auch die zweithäufigste Todesursache an einem malignen Tumor. Im Auftrage der International Digestive Cancer Alliance (IDCA) haben wir zwischen November 2004 und Mai 2006 bei 40 nationalen gastroenterologischen Gesellschaften in Europa eine Umfrage gemacht, um den gegenwärtigen Stand von Darmkrebs Screening zu evaluieren. Der Fragebogen enthielt Fragen nach dem Vorhandensein einer Leitlinie und  eines bevölkerungsbezogenen Screening Programms sowie, wenn ein solches vorhanden war, nach seiner Planung und Durchführung. Weitere Fragen bezogen sich auf die Screening Methoden, die eingeschlossenen Altersgruppen, die Akzeptanzrate in der Bevölkerung, das Vorhandensein spezieller Vorkehrungen für vererbbare kolorektale Karzinome (familiäre und hereditäre) im Screening Programm sowie dessen Finanzierung durch die Regierung oder die Krankenkassen.

Ergebnisse
Wir erhielten 39 Antworten von insgesamt 40 europäischen gastroenterologischen Gesellschaften. Keine Antwort gab allein die frühere jugoslawische Republik von Mazedonien. Hauptergebnis der Umfrage ist: Mehr als die Hälfte der gastroenterologischen europäischen Gesellschaften haben in ihren Ländern bereits Leitlinien für Darmkrebs Screening formuliert. In einem Drittel ist schon ein nationales Darmkrebs Screening Programm eingeführt worden, in 25 Ländern ist eine solche Maßnahme geplant oder wird mit den Gesundheitsbehörden diskutiert.  Erstaunlich ist, dass von den  13 Ländern mit einem nationalen Darmkrebs Screening Programm sechs ehemalige ‚Ostblock’-Staaten sind. So hat z. B. das arme Land Albanien bereits im Jahr 1996 ein bevölkerungsbezogenes Screening Programm eingeführt.

Ein einzigartiges Screening Modell wird seit 2004 von Finnland umgesetzt. Finnland ist eine konsensusbasierte Demokratie. Es gelang den Gesundheitsbehörden, die Bevölkerung von der Notwendigkeit einer Randomisierung der Altersgruppen zwischen 60 und 65 zu überzeugeni. Das Screening wird mit dem guaiacbasierte FOBT durchgeführt, die Beteiligung  liegt bei den Männern bei 63 %, bei den Frauen bei 78 %. Nach Abschluss der Randomisierung im Jahr 2010 wird die Kontrollgruppe, die bislang nicht getestet wurde, ebenfalls mit dem Stuhlbluttest untersucht.

Das isländische Parlament hat soeben der Einführung von Darmkrebs Screening nach dem finnischen Muster zugestimmt. Die anderen nordischen Länder haben exzellente Machbarkeitsstudien und randomisierte kontrollierte Studien über den FOBT vorgelegt, die ihre Regierungen jedoch bisher nicht überzeugt haben, ein bevölkerungsbezogenes Screening Programm einzuführen. Professor G. Hoff, Oslo, plant gemeinsam mit anderen skandinavischen Ländern und Polen eine randomisierte kontrollierte Studie, in der die Leistungsfähigkeit der Koloskopie evaluiert und die Daten der untersuchten Gruppe mit der nicht-gescreenten Gruppe verglichen werden. Für diese teure Studie fehlt gegenwärtig noch die Finanzierung. Die meisten Länder, die bisher noch über kein Darmkrebs Screening Programm verfügen,  erklären dies mit dem Mangel an finanzieller Unterstützung für die Durchführung bzw. mit der fehlenden Einsicht der Gesundheitsbehörden und –politik in die Dringlichkeit und Wichtigkeit eines solchen Programms.

In fünf Ländern - in Deutschland, Italien, Polen, Österreich und Luxemburg - werden sowohl die Koloskopie wie alternativ der Stuhlbluttest als primäre Methoden des Darmkrebs Screenings angeboten. Der guaiacbasierte FOBT als primäre Methode mit anschließender Koloskopie für die positiv Getesteten wird in acht Ländern (Albanien, Bulgarien, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Slowakei, Tschechien, Ungarn) angeboten. In 14 Ländern sind Spezialinstitute für Humangenetik mit der Betreuung von Familien mit hereditären Karzinomen befasst. Doch nur Frankreich hat in seinem nationalen Screening Programm für das Erkennen sporadischer Karzinome die Verbindung mit den nationalen Zentren für hereditäre Karzinome aufgenommen.

Vergleicht man die nationalen europäischen Darmkrebs Screening Programme, so fällt als erstes die Heterogenität der Programme auf. Das betrifft die Wahl der Altersgrenze desjenigen Teils der Bevölkerung, der gescreent werden soll, ebenso wie die Teilnahmeraten. In Finnland, United Kingdom, Frankreich, Ländern, die ein zentrales Informations- und Einladungsprogramm für die Zielbevölkerung verwenden, werden wesentlich höhere Teilnahmequoten erzielt als in Ländern wie Deutschland, wo die Information über das Programm dem Allgemeinarzt – und damit weitgehend dem Zufall – überlassen ist.  Länder mit zentralen Einladungsverfahren lassen den FOBT darüber hinaus in zentralen Laboratorien – statt wie in Deutschland in den einzelnen Arztpraxen - auswerten und erzielen dadurch eine bessere  Qualität und Aussagefähigkeit des Testergebnisses.

Die Ansichten darüber, welche Rolle der Allgemeinarzt beim Darmkrebs Screening haben sollte,  differieren ebenfalls sehr stark.  Während in Großbritannien der Allgemeinarzt nicht in das Screening Programm einbezogen wird, gilt er in Frankreich als entscheidend für gute Resultate. In Frankreich werden die Allgemeinärzte ebenso wie alle anderen Beteiligten genau instruiert. Ebenso werden die endoskopierenden Ärzte über Nutzen,  Art der Durchführung und die Risiken der unterschiedlichen Screening Methoden instruiert. Was die Vorsorgekoloskopie anbetrifft, so kann hier das deutsche Vorgehen als beispielhaft gelten.

Zentrale Datenbanken für die Registrierung und wissenschaftliche Auswertung der individuellen Screening Ergebnisse existieren in 14 Ländern. Sie sollten europaweit eingeführt werden.

Die Ergebnisse der Umfrage unter den europäischen gastroenterologischen Gesellschaften haben wesentlich zur Formulierung der Forderungen in der ‚Brüsseler Erklärung’ beigetragen, die auf der Europäischen Konferenz zur Darmkrebsprävention in Brüssel verabschiedet wurde.

Die meisten Befragten in Europa wünschten sich eine stärkere Förderung von Forschungsprogrammen für die Entwicklung und die Evaluation geeigneter Screening Methoden und Programme sowohl für die Erforschung zukünftiger Screening Methoden wie für die Evaluation gegenwärtig praktizierter Verfahren. Aber fast ebenso stark war der Wunsch nach einer europäischen Leitlinie für Darmkrebs Screening (analog der Leitlinie zum Brustkrebs Screening), welche den nationalen Gesellschaften und Regierungen als Muster für die qualitätsgesicherte Implentierung von Screening Maßnahmen vorgegeben wird, sowie nach einem Aktionsplan der Europäischen Kommission zur Unterstützung nationaler Screening Aktivitäten und einer praktischen Assistenz bei der Identifizierung und dem Management von Hochrisikogruppen mit familiärem und erblichem Darmkrebs.

Europa ein Kontinent mit 112 verschiedenen ethnischen Gruppierungen stellt auch beim Darmkrebs Screening seine Individualtät unter Beweis. Die Ergebnisse der jetzigen Umfrage stimmen trotzdem positiv, zeigen sie doch, dass die Mehrzahl der nationalen Programme erst nach der Jahrhundertwende implementiert wurde und  Programme in weiteren Ländern in Vorbereitung sind.

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